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Seite 46 von 46 Fazit Auf der Tomatenfinca „inmitten der Natur“ von Ernstl und Elke angekommen, erwartet mich der typische Süden Teneriffas, will heißen unbewachsene braune Berghänge voll mit staubigem Geröll und endlose Plantagenanlagen, die mit dreckigen Tüchern verhängt sind, um die Pflanzen vor dem starken Wind zu schützen, für die diese Gegend bekannt ist. Elke holt mich an der Fähre ab und zeigt mir auf der Hinfahrt stolz ihre Badebucht und den kleinen Ort, den man in Fußnähe von der Finca erreichen kann. Die Bucht sieht aus wie alle Buchten hier, ein wenig dunkler Sand am kalten Meer, daneben aus Beton eine Feriensiedlung hoch gezogen, um die sich ein Supermarkt und zwei, drei Bars tummeln. Im Supermarkt gibt es das übliche Teneriffa-Angebot, glutamat-geschwängerte Backwaren in Plastik verschweißt, viel Salami und Schinken und ein paar Gebrauchsartikel des täglichen Bedarfs. Die Bars, in denen man auch essen kann, sind ungefähr das, was man bei uns eine Imbissbude nennen würde. Es gibt Pizzen, natürlich glutamat-geschwängert, und man sitzt auf Plastikstühlen in der Windböe. Essenstechnisch ist auf den Kanaren wenig los und auf Teneriffa noch weniger.Die Finca ist eine Anlage, die seit Jahren ausgebaut wird, was man an den unfertigen Betonbauten und überall herum liegendem Baumaterial unschwer erkennen kann. Mein Zimmer ist sehr süß, direkt in den Berg gebaut, ich schlafe quasi in einer Höhle, hübsch gemacht, mit Außendusche und Klo. Es lässt sich aushalten, auch wenn mein Ausblick über zwei kleine Rasenstücke hinweg zwanzig Meter später an einer Betonmauer endet. Aber selbst, wenn ich hinter die Mauer trete, ist der Blick nicht besser. Wie gesagt, brauner Berghang, staubiges Geröll und endlose Tuchverhangene Plantagen. Im besten Gomera-Sommer bin ich abgefahren, im typischen Südteneriffa-Wetter bin ich angekommen. Es ist kalt, der Wind bläst, dann fängt es an zu regnen und auf diese Weise kann ich mich schon mal langsam an meine Rückkehr nach Winter-Deutschland vorbereiten. Wie schon bei meiner Anreise sitze ich am Abend in Decken eingehüllt, sonst wäre es nicht auszuhalten. Erstaunlich, es sind zwei Monate vergangen und in Teneriffa Süd hat es abends nur ein paar Grad mehr als bei meiner Ankunft. Ernstl, der Besitzer der Finca, ist 58 Jahre alt, ein absoluter Altfreak, mit tätowierten Armen, langen blonden Haaren, die erstaunlich echt wirken und einem herzensguten Gemüt. Vor drei Jahren kam Elke, ehemals Debitorin aus Deutschland, in sein Revier, hat spontan und fristlos ihren Job gekündigt, ist hierher gezogen und seitdem sein Engel. Die beiden haben es nicht leicht. Von morgens bis nachts sind sie im Auftrag der Gäste unterwegs, abholen von der Fähre, Betten machen, Wäsche waschen, Essen kochen, hinbringen zum Flughafen. Daneben haben sie zwei Schäferhunde, zwei Papageien, eine Katze und bauen langsam aber stetig ihr Reich auf vierzehn Gästezimmer aus. Ernstl lebt seit 32 Jahren hier und ist absoluter Tiernarr, was ihn nicht daran hindert, jeden Abend Fleisch zu kochen und ein paar Jagdtrophäen in seiner Finca an die Wand zu nageln. Ich hatte ihm zwar gesagt, dass ich Vegetarierin bin, aber das hat bei seiner Essensplanung nicht viel genützt. So ist er bei Tisch ein wenig enttäuscht, wenn ich mehr Gemüse nehme als die zahlreich aufgetischten Klöpse und Braten. Nach dem gemeinsamen Abendessen sitzen die Gäste noch ein wenig zusammen und Ernstl kommt ins Philosophieren. Er ist Buddhist und erzählt gern, wie er das Leben sieht. Zwischen seinen Erzählungen zündet er sich den dritten Joint an, daneben läuft ein Fußballspiel im Fernsehen und Elke wäscht die Teller ab. Sehr gemütlich, sehr beschaulich und dennoch nicht mein Fall. Ich ziehe mich auf meine Terrasse zurück und sinne über meine Reise nach. Was haben diese zwei Monate bewirkt? Besseres Wetter allemal. Ein paar interessante Kontakte auch. Mehr Selbstverständnis über mein Arbeitsangebot. Eine gute Kraftentfaltung, die ausbaufähig ist. Ich bin zufrieden. Es war alles gut so, wie es war. Und dennoch, bei allen interessanten Begegnungen und allem Schönen: La Gomera, diese Insel ist nicht meine. Vielleicht habe ich als Karmabefreite hier einfach nichts mehr verloren. Ich fühle mich wohler in einer Gegend, die sanft und voller Liebe ist. Das habe ich hier nicht gefunden, vielleicht aber ein wenig dazu beigetragen. Die nächste Reise wird mich woanders hin führen. Ich bin gespannt. Copyright © 2006 Georgia Fritz – www.Seelenfuehrung.de
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