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Seite 8 von 8 Wie man auf Bali Geschäfte
macht

Wenn man auf Bali Geschäfte machen
will, muss man gute Nerven haben. Und viel Zeit mitbringen. Selten wird
ein Auftrag so ausgeführt, wie er bestellt wurde. Das mag
verschiedene Gründe haben: Sprachliches Mißverständnis,
persönliche Individualität des Ausführenden oder
schlicht sein Unvermögen. Unabhängig
davon wird jeder Auftrag erstmal angenommen. Auch wenn weder Zeit noch
Können vorhanden ist, um ihn zu vollenden. Das merkt der
Auftraggeber ja zum Glück erst hinterher. Dann bleiben übrigens nur zwei
Reaktionsmöglichkeiten: Sauerwerden oder Hinnehmen.
Ich möchte Engelstatuen
produzieren lassen und finde einen Steinmetz, der sehr schöne
Arbeiten macht. Ausführlich fabuliere ich mein Briefing:
Filigran und schwebend müssen die Engel sein, tiefe Seele soll
ihnen aus den Augen blitzen, der Geist der Götter soll so in die
westliche Welt transportiert werden und so weiter.
Der Steinmetz ist begeistert. Wir
beschließen, mit zwei Mustern zu beginnen. Eine Woche später
schaue ich mir die Ergebnisse an. Statt mit zwei Figuren, hat er
bereits mit fünf begonnen. Alle sind erst zu 30 % fertig, so
dass es eigentlich noch nichts zu kommentieren gibt. Ich bitte ihn,
nur an zwei Mustern weiter zu arbeiten und kehre fünf Tage
später zurück. Diesmal hat er an allen Mustern jeweils 10%
zugelegt, die Grundform ist erkennbar, die Feinheiten fehlen noch.
No problem, sagt er, ich soll mir keine
Sorgen machen, er will mich total happy machen. Ja sage ich, ich wäre
besonders happy, wenn die ausgewählten Muster endlich fertig
würden. Klar, nur noch drei Tage, dann kann ich sie abholen,
verspricht er. Beim nächsten Besuch hat er sich die Hand
verstaucht, wieder eine Woche später reichen die Ergebnisse
immer noch nicht an die Originalvorlagen ran.
Nun wird es kniffelig. Meine
Verbesserungsvorschläge müssen super-positiv formuliert
sein, um weder seine Arbeit noch sein Gesicht zu verletzen. Sehr
schön, flöte ich, alles auf dem besten Weg, nur noch ein
paar Feinheiten hier und da, mehr Ausdruck in die Gesichter, mehr
Seele, eben insgesamt mehr Engel. Oh, sehr schwierig für ihn,
alles fast schon fertig, wehrt er ab. Ich schmeichle, er könne
doch noch viel bessere Arbeit... Unter kräftigem Händeschütteln
ziehe ich von dannen. In der nächsten Woche soll alles fertig sein.
Ist es aber nicht. Mein bereits
bedenklich dünner Geduldsfaden reißt nun endgültig.
Mit lauteren Stimme als nötig, gebe ich mein Unverständnis
zu Protokoll. Und bin ich damit tief im balinesischen Fettnapf
versunken.
Der Steinmetz grinst mich breit an und
verkündet kaum hörbar, er wäre ärgerlich. Das ist ihm so nicht
anzumerken. Doch tief in der asiatischen Seele muss es brodeln. Jetzt
stecken wir mitten im kulturellen Unterschied. Oberstes Prinzip auf
Bali ist, das Gesicht zu wahren. Nie und nimmer wird Kritik geäußert.
Man sagt nicht „Schlecht“, sondern „Weniger Gut“.
Ich ergebe mich in diese landestypische
Gepflogenheit und kaufe nur die Statuen, die mir gefallen. Immerhin
sind es zwei von fünf. Und die sind eigentlich auch ziemlich
schön geworden. Copyright © 2006 Georgia Fritz – www.Seelenfuehrung.de
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