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Wu Wei
Die Reise nach Bali
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Wie man auf Bali Geschäfte macht

Geschäfte
Wenn man auf Bali Geschäfte machen will, muss man gute Nerven haben. Und viel Zeit mitbringen. Selten wird ein Auftrag so ausgeführt, wie er bestellt wurde. Das mag verschiedene Gründe haben: Sprachliches Mißverständnis, persönliche Individualität des Ausführenden oder schlicht sein Unvermögen. Unabhängig davon wird jeder Auftrag erstmal angenommen. Auch wenn weder Zeit noch Können vorhanden ist, um ihn zu vollenden. Das merkt der Auftraggeber ja zum Glück erst hinterher. Dann bleiben übrigens nur zwei Reaktionsmöglichkeiten: Sauerwerden oder Hinnehmen.

Ich möchte Engelstatuen produzieren lassen und finde einen Steinmetz, der sehr schöne Arbeiten macht. Ausführlich fabuliere ich mein Briefing: Filigran und schwebend müssen die Engel sein, tiefe Seele soll ihnen aus den Augen blitzen, der Geist der Götter soll so in die westliche Welt transportiert werden und so weiter.

Der Steinmetz ist begeistert. Wir beschließen, mit zwei Mustern zu beginnen. Eine Woche später schaue ich mir die Ergebnisse an. Statt mit zwei Figuren, hat er bereits mit fünf begonnen. Alle sind erst zu 30 % fertig, so dass es eigentlich noch nichts zu kommentieren gibt. Ich bitte ihn, nur an zwei Mustern weiter zu arbeiten und kehre fünf Tage später zurück. Diesmal hat er an allen Mustern jeweils 10% zugelegt, die Grundform ist erkennbar, die Feinheiten fehlen noch.

No problem, sagt er, ich soll mir keine Sorgen machen, er will mich total happy machen. Ja sage ich, ich wäre besonders happy, wenn die ausgewählten Muster endlich fertig würden. Klar, nur noch drei Tage, dann kann ich sie abholen, verspricht er. Beim nächsten Besuch hat er sich die Hand verstaucht, wieder eine Woche später reichen die Ergebnisse immer noch nicht an die Originalvorlagen ran.

Nun wird es kniffelig. Meine Verbesserungsvorschläge müssen super-positiv formuliert sein, um weder seine Arbeit noch sein Gesicht zu verletzen. Sehr schön, flöte ich, alles auf dem besten Weg, nur noch ein paar Feinheiten hier und da, mehr Ausdruck in die Gesichter, mehr Seele, eben insgesamt mehr Engel. Oh, sehr schwierig für ihn, alles fast schon fertig, wehrt er ab. Ich schmeichle, er könne doch noch viel bessere Arbeit... Unter kräftigem Händeschütteln ziehe ich von dannen. In der nächsten Woche soll alles fertig sein.

Ist es aber nicht. Mein bereits bedenklich dünner Geduldsfaden reißt nun endgültig. Mit lauteren Stimme als nötig, gebe ich mein Unverständnis zu Protokoll. Und bin ich damit tief im balinesischen Fettnapf versunken.

Der Steinmetz grinst mich breit an und verkündet kaum hörbar, er wäre ärgerlich. Das ist ihm so nicht anzumerken. Doch tief in der asiatischen Seele muss es brodeln. Jetzt stecken wir mitten im kulturellen Unterschied. Oberstes Prinzip auf Bali ist, das Gesicht zu wahren. Nie und nimmer wird Kritik geäußert. Man sagt nicht „Schlecht“, sondern „Weniger Gut“.

Ich ergebe mich in diese landestypische Gepflogenheit und kaufe nur die Statuen, die mir gefallen. Immerhin sind es zwei von fünf. Und die sind eigentlich auch ziemlich schön geworden.