|
Seite 1 von 46 1. Etappe Die Reise fing ganz einfach an. Beim Wocheneinkauf in Schleswig frage ich in Ermangelung individueller Reisebüros beim Karstadt-Reiseshop nach einem Flug und bekomme tatsächlich ein One Way-Ticket für 100,– Euro. Also La Teneriffa gebucht, um nach Gomera weiter zu reisen. Auf Teneriffa lasse ich mich von Romy abholen, um ein oder zwei Nächte zwischen zu schlafen, bevor es mit der Fähre weiter nach La Gomera geht. Die Fahrt vom Flughafen zu Romys Finca führt vorbei an endlosen Betonsiedlungen der finstersten Art. Ganz neu ist eine Ferienanlage direkt neben der Autobahn, mit Balkon-Sicht auf die vierspurige Verkehrsader. Ich frage mich, wie die Touristen wohl zu Fuß über diese Schneise gelangen sollen, möglicherweise gibt es ja demnächst eine Bürgerinitiative, die den Krötenwanderungen gleich, sich der Touristen annehmen und sie des Nachts über die Autobahn lotsen, damit sie rechter Hand der Schnellstraße mal ein wenig das Meer erleben können. Was wohl im Reisekatalog als Beschreibung für diese Anlage steht? „Sie wohnen sehr verkehrsgünstig unweit der Playa?“ Eine Stunde Autofahrt und endlose Serpentinen durch die karge Berglandschaft weiter, sind wir auf Romys Finca angekommen. Es ist ein eher zweckmäßig eingerichtetes Appartement mit Blick auf einen braunen Berghang, auf dem ein paar Büschel Grünes stehen. Hintenrum sieht man das Meer. Das ist also Teneriffa Süd. Obwohl erschossen von der Anreise, kremple ich kurzerhand die Ärmel hoch und räume das Appartement um. Feng Shui-technisch ist hier einiges im Argen. Nach einer Stunde habe ich ein wenig Atmosphäre geschaffen und die Koffer ausgepackt. Dann sitze ich dick eingewickelt in meiner Winterthermojacke, Handschuhen und einer Wolldecke auf der Terrasse, um Sterne zu gucken. Es ist arschkalt, ungefähr 12 Grad, wir sind ja in den Bergen und auch auf Teneriffa ist jetzt Winter. Ich beginne an meiner Anreise zu zweifeln. Warum nur, bin ich nicht nach Bali gefahren? Des Nachts fröstel ich mich in den Schlaf, natürlich gibt es auf den Kanaren keine Heizungen, auch wenn sie des Winters nötig wären. Am nächsten Morgen jedoch scheint, hurra, die Sonne, und ich bin versöhnt, während ich mir einen faulen Tag mache.
<< Anfang < Vorherige 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Nächste > Ende >> |